Holzbau Pfeiffer aus Burglemnitz: Die Profis aus dem Schiefergebirge

Jörg Pfeiffer von Holzbau Pfeiffer aus Burglemnitz: „Handwerk hat Zukunft im Schiefergebirge.“

Die Holzbau Pfeiffer GmbH aus Burglemnitz gehört zu den führenden Holzbaubetrieben im Schiefergebirge. Mit dem Gründer und Geschäftsführer Jörg Pfeiffer sprach ich über sein Unternehmen, die aktuelle Situation im Handwerk und seine Heimat.

Prolog zum Interview mit Jörg Pfeiffer

Wenn man ins Büro von Jörg Pfeiffer in Burglemnitz tritt, bleiben die Augen an einer langen Reihe von gerahmten Urkunden hängen. Sie zeugen von regelmäßigen Spitzenplatzierungen und Auszeichnungen bei Preisverleihungen auf Länder- und Bundesebene im Holzbau. Das beeindruckt und wirft Fragen auf. Für mich als Regional-Interessierten war das Unternehmen ein Begriff. Dass Holzbau Pfeiffer allerdings anspruchsvollste Holzbauten bundesweit realisiert, war mir nicht geläufig. Dazu zählen zum Beispiel das Bundesleistungszentrum für Leichtathletik Kienbaum, das Johannisbad in Freiberg sowie die Fakultät Holztechnik der Fachhochschule Rosenheim. 

Herr Pfeiffer, ihre Referenzen sind beeindruckend. Wie kommt es, dass die Leistungen ihres Unternehmens, der Holzbau Pfeiffer GmbH in der Region von vielen, wie auch von mir, kaum wahrgenommen werden?

Jörg Pfeiffer: Unsere Medienpräsenz im Schiefergebirge ist sicherlich ausbaufähig. Aber es liegt auch daran, dass wir als mittelgroßes Holzbauunternehmen weitesgehend bundesweit agieren. Viele Baustellen und Projekte sind daher hier nahezu unbekannt.

Seit 27 Jahren sind sie selbständig. Wie verlief die Unternehmensentwicklung der Holzbau Pfeiffer GmbH zum aktuellen Niveau?

1992 wagte ich den Schritt in die Selbständigkeit mit meiner Zimmerei. Am Anfang hatte man nicht den unternehmerischen Weitblick. Man muss verstehen, dass nach der Wende in der Marktwirtschaft für uns vieles Neuland war. Mehr oder weniger kann ich sagen, alles lief so dahin bis zum Jahr 1998. Hier war die Zeit gekommen, eine Entscheidung zu treffen.

Ein ausgesprochen gutes Team 

Man sagt ja, wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Es folgten umfangreiche Baumaßnahmen und damit auch Möglichkeiten andere Projekte zu stemmen. Das wir als Unternehmen heute dort sind, wo wir stehen, hängt vor allem damit zusammen, dass wir ein ausgesprochen gutes Team haben. Wir haben gemeinsam aus Fehlern gelernt. Und als Unternehmer ist man gut beraten, wenn man Fehler  möglichst nur einmal macht.

Natürlich gehört aber auch eine Portion Glück dazu und eine positive Sicht auf das Leben. Selbst aus Steinen, die einem andere in den Weg legen, läßt sich noch etwas bauen.

Für mich persönlich war die Unterstützung meiner Familie entscheidend. Der Rückhalt den mir meine Frau und meine Familie gegeben haben, war essentiell. Das fängt schon beim Akzeptieren der langen Arbeitszeiten an – ich arbeite 7 Tage in der Woche. 

Wenn man durch Krisen geht, ist es gut, wenn Freunde, Familie und Partner hinter einem stehen. 2011 hatten wir hier den Großbrand durch Fremdeinwirkung. Alles bis zu diesem Zeitpunkt Geschaffene lag in Schutt und Asche. Es war nur durch das starke Engagement vieler möglich, dass wir die neue Halle in Rekordzeit bauen konnten. Wir haben Ende September begonnen. Am 08. Oktober hatten wir Richtfest und vor Weihnachten sind wir eingezogen. 

Hat sie das als Mensch geprägt?

Ja. Dadurch verändert sich auch der eigene Fokus und der Blick auf den Arbeitsprozess. Maßstab für ein gelungenes Projekt ist für mich nicht die Komplexität oder Größe des Bauprojektes. Es macht mir einfach viel mehr Spaß und gibt mehr Zufriedenheit wenn der gesamte Prozess zwischenmenschlich fair und die Zusammenarbeit reibungslos verläuft. Man reift über die Jahre und ich habe erkannt, dass man beim Auftreten von Problemen, erst an den eigenen Stellschrauben drehen sollte. Andere Menschen zu ändern, ist viel schwerer und weniger erfolgversprechend, als an sich selbst zu arbeiten.

Das Handwerk hat im Schiefergebirge eine Zukunft

Wie sehen Sie die Zukunft vom Handwerk in unserer Region?

Das Handwerk hat im Schiefergebirge eine Zukunft. Auch wenn viele heute sagen, die Digitalisierung und Automatisierungstechnik wird auf dem Bau alles auf den Kopf stellen – ich sehe das nicht. Die Situation vor Ort auf der Baustelle gestaltet sich oft so komplex und erfordert gesunden Menschenverstand, Sachkenntnis und fachliche Erfahrung. 

Dem Holzbau gehört die Zukunft. Die Vorteile sind grundlegend. Mittlerweile werden bereits 7-geschossige Bauten im Holzbau errichtet. Wir selbst haben bereits 4-Geschosser gebaut. 

Entscheidend für die Firmen ist allerdings, dass es uns gelingt den Nachwuchs in den Unternehmen zu halten. Den jungen Leuten steht heute die Welt offen. Wenn sie erst einmal weg sind, kommen nur die wenigsten wieder zurück. Das ist meine persönliche Erfahrung bei 40 hier ausgebildeten Lehrlingen. Deshalb tut man gut daran als Unternehmer auf seine Firma zu schauen, wie wenn man die Altersstruktur in einem Dorf betrachtet. Sonst kann man den Laden irgendwann zusperren. Wir stehen als Unternehmen hier gut da.

… als Alternative der ländliche Raum

Lassen Sie uns über das Schiefergebirge reden. Wo sehen Sie die Region in 10 Jahren?

Im Gegensatz zu vielen anderen sehe ich die Zukunft hier positiv. Sicherlich werden wir keine touristische Hochburg werden oder uns zu einer reinen Industrieregion entwickeln. Für beides fehlen uns hier derzeit die Infrastruktur und die Rahmenbedingungen. Der ländliche Raum wird in Zukunft, entgegengesetzt vieler Prognosen, aus meiner Sicht zu den Gewinnern zählen. 10 Jahre sind hier aber deutlich zu kurz gegriffen. Wir müssen 20–30 Jahre in die Zukunft schauen. Der Trend, dass sich Wohnraum in den Ballungszentren weiter verteuert, wird anhalten. Das werden sich viele Menschen nüchtern betrachtet nicht mehr leisten können und wollen. Dann bleibt als Alternative der ländliche Raum. Das ist mittelfristig für unsere Region eine Chance.

Was müssen wir tun, um diese zu ergreifen?

Man muss ehrlich sein. Attraktive Gebiete wie das Schiefergebirge gibt es viele. Als Beispiel seien hier nur Harz, Westerwald und Frankenwald genannt. Mit diesen konkurrieren wir aus touristischer Sicht, aber auch als Lebensraum. Ob wir als attraktive Region mit hoher Lebensqualität wahrgenommen werden, wird davon abhängen, wie wir uns von der Konkurrenz abheben und vermarkten. Hier ist die Politik gefragt. Jetzt müssen die Weichen hierfür in die richtige Richtung gestellt werden. Man kann nicht mehr halbherzig agieren, sondern muss zielgerichtet vorgehen. 

Kommen wir zu einem grundlegenden Problem. Die Kommunen müssen in ihrer finanziellen Ausstattung deutlich besser gestellt werden. Nur dann sind sie handlungsfähig. Ebenfalls müssen wir etwas gegen das Sterben unserer Wirtshäuser tun. Ein richtiges Wirtshaus im Dorf oder einer Kleinstadt erfüllt eine wichtige Funktion für das Sozialleben. Wirtshäuser sind entscheidend für die Attraktivität eines Ortes und in der Gesamtheit für die Attraktivität einer ganzen Region. 

Ein heimatverbundener Mensch

Welche Rolle spielt Heimat für Sie?

Ich bin ein sehr heimatverbundener Mensch. Das sieht man schon daran, dass ich bei mitunter über 80.000 Kilometer jährlicher Fahrleistung so oft wie nur möglich zu Hause übernachte. 

Heimat ist für mich der Ort wo ich mich geborgen fühle, wo Familie und Freunde sind. Dort ist der Mittelpunkt meines Lebens. Vereinfacht gesagt, ist Heimat dort, wo man froh ist zu sein. Das merkt man meist, wenn man viel unterwegs ist. Für mich ist das Burglemnitz.

Ich schätze die Ruhe. Wenn ich in meinem Büro die Fenster öffne, höre ich die Vögel zwitschern und die Kuhglocken meiner Rinder läuten.

Tatsächlich ist es interessant zu sehen, dass Sie Rinder züchten. Gleich neben der Zimmerei weiden ihre schottischen Hochlandrinder. Ist das für sie Lebensqualität?

In gewisser Weise ja. Als Selbständiger habe ich den Vorteil, dass ich in einem bestimmten Maß mit meiner Zeiteinteilung spielen kann. Ich arbeite in der Woche von Montag bis Sonntag, kann aber die Arbeitsblöcke schieben und variieren. Das ermöglicht es mir z.B. mein Hobby die Rinderhaltung auszu-üben. 

Blick in die Zukunft

Wo sehen sie die Holzbau Pfeiffer GmbH in 10 Jahren?

Ich hoffe, dass unser Sohn Max in 10 Jahren das Unternehmen übernommen hat. Mir ist es wichtig, dass ich die Mitarbeiter, welche bis dahin das Renteneintrittsalter erreichen, ordentlich in den Ruhestand verabschieden kann. Nicht wenige unserer älteren Mitarbeiter sind seit über 20 Jahren mit im Boot. Ich würde mich freuen, wenn diese auch nach der langen Zeit zufrieden und glücklich auf das gemeinsam Erlebte zurückblicken. So bleibt das gute Verhältnis zueinander erhalten. Schließlich leben wir hier auf dem Land und viele meiner Leute kommen aus dem näheren Umfeld. 

Derzeit ist die wirtschaftliche Situation im Handwerk sehr gut. Es gibt genug zu tun. Ich wünsche mir, dass das so bleibt und in 10 Jahren immer noch so ist.

Vielen Dank für dieses Gespräch.

 

Jörg Pfeiffer über Heimat

„Man muss auch etwas für seine Heimat tun. Sie ist zwar einfach so da, damit sie aber lebenswert bleibt, ist Engagement im eigenen Ort und in der Region wichtig.

Ich selbst bin seit über 10 Jahren im Gemeinderat aktiv. Das Heimatgefühl entsteht, wenn man sich engagiert.“

 

Das Interview wurde in unserem Bookazine „Faszinierendes und wunderschönes Schiefergebirge“ publiziert. Hier finden Sie weitere Bilder vom Unternehmen und Jörg Pfeiffer.

Mehr Informationen zum Handwerk im Schiefergebirge finden Sie auf unserer Website Handwerk-im-Schiefergebirge. Sie befindet sich derzeit im Aufbau und wird kontinuierlich mit neuen Inhalten ergänzt. 

Wenn Sie Interesse an weiteren Artikel über Handwerk haben, werfen Sie einen Blick auf unser Interview mit Günter Escher, Stellmacher aus Röttersdorf: >>>

 

 

 

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